Jean-Pol Martins Blog zu pädagogischen, philosophischen und politischen Fragen jetzt übersichtlich als Vorlesungsmitschrift in Kapiteln geordnet

23. Mai 2013

Jean-Pol Martins Blog ist einer der meistdiskutierten, die ich lese, und umfasst eine umfangreiche Darstellung von der Anthropologie bis zu Kommunalpolitik, alles aus der Sicht und dem brennenden Engagement eines Aktionsforschers.

Jetzt hat er den Inhalt thematisch geordnet als eine Art Vorlesungsmitschrift herausgebracht. Mir scheint es ein großer Gewinn. 

http://jeanpol.wordpress.com/vorlesungsthemen/

Blogger sollten sich stärker vernetzen, aber …

14. Mai 2013

“…besteht der Sinn eigener Blogs auch gerade darin, sich nicht von Plattformen wie Facebook oder Google+ abhängig zu machen und sich nicht deren Spielregeln beim Publizieren von Inhalten zu unterwerfen” schreibt Thomas Stadler (Internet Law)

Das greife ich auf und zwar bei wordpress, weil es das schöne Instrument pingback hat

Karl Mays Helden- und Höllenreise

3. Mai 2013

Karl May wurde vom Zuchthäusler zum erfolgreichsten deutschen Jugendschriftsteller, doch dann kam für ihn die Hölle.

Wie das zuging, versuche ich einmal anhand des Schemas der Heldenreise des amerikanischen Mythenforschers Joseph Campbell vorzuführen. 
Besonderen Reiz hat das Verfahren für mich, weil Karl May seinerseits zwei Gestalten geschaffen hat, die über Generationen hin männlichen Jugendlichen als Helden vorgeschwebt haben: Old Shatterhand und Winnetou. Ich werde deshalb im Folgenden die einzelnen Stationen des Mythenforschers durchgehen und anzugeben versuchen, ob sich in Karl Mays Leben oder in dem seines alter ego Old Shatterhand diese Stufe nachweisen lässt.
Dabei hilft mir das Karl-May-Wiki, das die Stationen des Lebens Karl Mays genau dokumentiert und auch die Gestalten seiner Bücher recht genau vorstellt.
1. Ruf: Erfahrung eines Mangels oder plötzliches Erscheinen einer Aufgabe
Karl May wurde aus der Lehrerausbildung ausgeschlossen und damit arbeitslos. Er versuchte, sich durch das Schreiben von Erzählungen über Wasser zu halten, aber erfolglos. Die Aufgabe, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, versucht er durchHochstapelei zu erfüllen.
Eine Erfahrung des Mangels gibt es bei Old Shatterhand nicht. Er tritt von Anfang an als ein Mann von Talenten auf, der – ohne sich zu bewerben – eine Ingenieursstelle angetragen bekommt.
2. Weigerung : Der Held zögert, dem Ruf zu folgen, beispielsweise, weil es gilt, Sicherheiten aufzugeben.
Wenn es Karl Mays Aufgabe war, Schriftsteller zu werden, so zögert er in der Tat, dem Ruf zu folgen, weil er als Hochstapler erfolgreicher ist. Old Shatterhand weiß von Anfang an, was er wert ist.
3. Aufbruch: Er überwindet sein Zögern und macht sich auf die Reise.
Karl May versucht es lange nicht ernsthaft mit dem Schreiben, sondern immer wieder mit Hochstapelei, bis er im Zuchthaus landet. Dort entwickelt er freilich schon erste Pläne, was er schreiben könnte.
Old Shatterhand kennt kein Zögern, meist erleben wir ihn erst nach dem Aufbruch.
4. Auftreten von Problemen, die als Prüfungen interpretiert werden können.
Karl May ist immer wieder ohne Arbeit und wird bei seinen Hochstapeleien ertappt und ins Gefängnis geworfen.
Bei Old Shatterhand treten ca. alle 10 Seiten  auf, die ihn aber meist nicht ernsthaft auf die Probe stellen können.
5. Übernatürliche Hilfe: Der Held trifft unerwartet auf einen oder mehrere Mentoren.
Karl May trifft auf den Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer. Der hat ein ganz normales Geschäftsinteresse.

Old Shatterhand trifft auf Sam HawkensDick Stone und Will Parker (das noch sehr normale “Kleeblatt“ von Westmännern), die ihm vieles beibringen wollen, im Zweifelsfallweiß er es aber aufgrund seiner Lektüre besser. Zunächst ist ihm freilich Winnetou, eine Gestalt mit geradezu mythischen Fähigkeiten, wirklich überlegen.

6. Die erste Schwelle: Schwere Prüfungen, Kampf mit dem Drachen etc., der sich als Kampf gegen die eigenen inneren Widerstände und Illusionen erweisen kann.
Karl May hat ständig Prüfungen zu bestehen, um sich beruflich durchzusetzen.

Old Shatterhands große Probe ist sein Kampf mit Intschu-tschuna. Um Leben und Tod geht es bei ihm zwar immer wieder, doch macht es ihm wenig aus,  weil er sich seiner selbst sicher ist.

7. Fortschreitende Probleme und Prüfungen, übernatürliche Hilfe.
Karl May: Er hat lange Zeit Probleme. Der Helfer, der ihm zum Durchbruch als Schriftsteller verhilft, ist Friedrich Ernst Fehsenfeld, der Karl Mays Erzählungen als gesammelte Reiseromane herausgibt.
Old Shatterhand ist der unermüdliche Helfer aller Bedürftigen. Er selbst braucht – von seiner Meisterlehre bei Winnetou ab – keine Hilfe. Selbst wenn er einmal in Gefangenschaft gerät und in Todesgefahr schwebt, kann er meist sich selbst befreien. Wird er befreit, zeigt er bald darauf seinem Befreier, wer der Fähigere ist.
8. Initiation und Transformation des Helden: Empfang oder Raub eines Elixiers oder Schatzes, der die Welt des Alltags, aus der der Held aufgebrochen ist, retten könnte. Dieser Schatz kann in einer inneren Erfahrung bestehen, die durch einen äußerlichen Gegenstand symbolisiert wird.
Karl May lernt es, in erstaunlichem Tempo erfolgreiche Romane zu schreiben. Das Zeichen seines Arriviertseins wird sein Haus, die Villa Shatterhand.
Old Shatterhand schließt Blutsbrüderschaft mit Winnetou.
9. Verweigerung der Rückkehr: Der Held zögert in die Welt des Alltags zurückzukehren.
Karl May identifiziert sich mit seinen Helden und ihren Fähigkeiten. Er gibt vor, wirklich viele indianische Sprachen zu beherrschen und in all den Ländern, von denen er berichtet, gewesen zu sein. Er will als mehr gelten denn als erfolgreicher Schriftsteller.
Old Shatterhand zögert nicht zurückzukehren, vielmehr deutet er mehrmals an, dass es ihn an seinen Schreibtisch zurück zieht. Er wird nur immer wieder durch neue Abenteuer daran gehindert.
10. Verlassen der Unterwelt: Der Held wird durch innere Beweggründe oder äußeren Zwang zur Rückkehr bewegt, die sich in einem magischen Flug oder durch Flucht vor negativen Kräften vollzieht.
Karl May wird seine Karriere als Hochstapler nachgewiesen, und es wird an seinen Reisen gezweifelt
Old Shatterhand
 braucht nicht zu fliehen. Er handelt frei.
11. Rückkehr: Der Held überschreitet die Schwelle zur Alltagswelt, aus der er ursprünglich aufgebrochen war. Er trifft auf Unglauben oder Unverständnis, und muss das auf der Heldenreise Gefundene oder Errungene in das Alltagsleben integrieren. (Im Märchen: Das Gold, das plötzlich zur Asche wird.)

Als Karl May entlarvt zu werden droht, lässt er Kostümfotos als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi von sich machen, lässt die Waffen Old Shatterhands aus den Büchern in der Wirklichkeit nachbilden. Er reist in den Orient und schreibt Bücher, die deutlich erkennen lassen, dass sie fiktiv sind. Darin schildert er aber allegorisch Wirklichkeit, wie er sie selbst erlebt hat.

Old Shatterhand trifft auf Unglauben immer nur, wenn er sich als der große Held zu erkennen gibt, der er ist. Dagegen nimmt man ihm immer wieder ab, dass er ganz unerfahren sei.
12. Herr der zwei Welten: Der Heros vereint Alltagsleben mit seinem neugefundenen Wissen, und lässt somit die Gesellschaft an seiner Entdeckung teilhaben.
Karl May wollte als dieser Herr beider Welten anerkannt werden und viele seiner Anhänger – und sicher auch manche heutige Leser – nahmen und nehmen es ihm ab. Aber die Öffentlichkeit, auf die es ihm ankam, verweigerte ihm die Anerkennung, als er seine ursprüngliche Aufgabe, seinen Lebensunterhalt zu sichern, grandios gemeistert hatte.
Old Shatterhand hat in seiner Welt nicht nötig, mit dem Hinweis auf sein Schriftstellertum Eindruck zu schinden. Aber er deutet gelegentlich an, dass er Schriftsteller ist.
Fazit:
Wenn man Karl May mit Old Shatterhand vergleicht, stellt man fest, dass nur Karl May die mythische Heldenreise gemacht hat. Old Shatterhand hat allzu viele Stufen der Reise ausgelassen. Die eigentlich mythische Figur ist also er selbst. Sein Held ist dafür viel zu glatt.
Mays Unglück war, dass er den dauerhaften Erfolg der Heldenreise nur dem von ihm erschaffenen Helden verschaffen konnte. Er selbst verlor die Anerkennung als großer Schriftsteller und wurde erst über dieser Enttäuschung zu mehr als einem höchst erfolgreichen Vielschreiber.
Für Verbesserungen meines Versuches bin ich dankbar, aber auch für Kritik und Nachfragen. Vielleicht reizt es Sie aber auch, an einer anderen  Heldengestalt zu testen, ob sie die Stationen durchlaufen hat.
 
Dieser Text wurde zuerst am 9.2.2011  in “Bücher” (http://literarisch.posterous.com) veröffentlicht.

Mehr Erfahrungen zum Lehren und zum Lernen für das Lehren

27. März 2013

Ich kenne Lisa Rosa als energische Vertreterin einer stark zurückgenommenen Lehrerrolle und als scharfsinnige Lerntheoretikerin. Manche ihrer Positionen erschienen mir zu optimistisch.

Jetzt hat sie darüber berichtet, wie ihre Theorie sich aus ihrer Praxis entwickelt hat. Einen überzeugenderen Bericht kann ich mir nicht vorstellen. Kein Wunder, dass gleich eine Reihe von KollegInnen sich angeregt fühlten, von ihren Erfahrungen zu berichten.

Kaum ein Lehrer wird nicht zeitweise ähnliche Enttäuschungen erlebt haben wie Lisa Rosa. Ihre Darstellung ist eine überzeugende Ermutigung, sich dadurch zu einer gründlichen Überprüfung seiner Praxis anregen zu lassen.

Hier noch die Schilderung von Daniel Bernsen über seine Erfahrungen, die ihn zum Experimentieren im Geschichtsunterricht gebracht haben.

Meine Erfahrungen mit Lehren und Lernen (Fortsetzung)

11. Februar 2013

Projekte

Am meisten beeindruckt hat mich, wie gut mein Projekt der Entzifferung eines Augenzeugenberichts über Napoleons Russlandfeldzug vorankam, nachdem ich Unterstützung bei Wikepianern und Wikisourcemitarbeitern gefunden hatte. (vorher - nachher) Mein Dank gilt besonders Frank und Paulis, aber selbst der Versionsgeschichte ist nicht ohne weiteres zu entnehmen, wie viele andere außerdem  beteiligt waren. Man müsste die Versionsgeschichten aller 185 Seiten durchgehen.

Aus einem recht unvollständigen und fehlerhaften Entzifferungsversuch wurde eine Edition mit erläuternden Anmerkungen, die sich m.E. sehen lassen kann. Solch eine Edition wäre mir, aber auch keinem anderen von uns allein nicht möglich gewesen (bei Frank allerdings wohl nur aufgrund des Zeitmangels). Nebenbei erhielt ich Einblick in andere Editionsunternehmen wie besonders die Herausgabe aller unterschiedlichen Originalausgaben der Märchen der Brüder Grimm Literaturhinweise zum Russlandfeldzug, an die ich sonst nie gekommen wäre.

Aber auch ganz private Projekte wie die  Verbesserung alter Kassettenaufnahmen kamen voran, weil ich über ZUM.de technisch Findigere als mich kennenlernte.

UrheberrechtPhilosophie,

Blogs

Bei Wikis gerät man über die Arbeit an konkreten Projekten mehr oder minder intensiv in die Wiki-Gemeinschaft hinein.

Innerhalb der Blogger Beziehungen aufzubauen, erfordert über die Arbeit an den einzelnen Blogartikeln auch konkrete Kotaktaufnahme mit anderen über Kommentare. Wenn man freilich in der Wikipedia auch nur kurz mit Benutzer: Jeanpol zusammen gearbeitet hat, ergibt sich die Einführung in die pädagogische Bloggerszene wie von selbst. Außer ihm nenne ich nur das Lehrerzimmer von Herrn Rau und den Lehrerfreund.

Sonderfall: Nachbarschaft

Soziale Medien

Twitter

MOOCs u.ä.

mein Blog dazu

Barcamps

CorporateLearningCamp 2012

Gruppenunterricht und Einzelunterricht:
Deutsch als Fremdsprache

Ich habe neun Jahre Unterrichtsgruppen in Deutsch als Fremdsprache an einer Europäischen Schule unterrichtet. Fremdsprachenlehrer werden zu recht feststellen, dass ich bei diesem learning by doing nicht viel Methodik gelernt habe; doch habe ich dabei dreierlei gewonnen: Erstens die Erfahrung, dass ab einem gewissen Niveau der Sprachbeherrschung des Schülers offenbar die Sprachkenntnis des Lehrers wichtiger wird als die Methode (sofern er nicht wichtige Regeln außer Acht lässt). Zweitens den Mut, in Deutschland Sprachunterricht für Ausländer fortzusetzen. Drittens eine Kenntnis über gewisse Regelmäßigkeiten der deutschen Grammatik, die der Deutschkundige nicht wahrnimmt, weil er sie aufgrund ständiger Anwendung beherrscht, während deutschlernende Muttersprachler aufgrund einer rasanten Sprachentwicklung oft Schwierigkeiten bei der Anwendung der Fälle haben und zwar nicht nur, weil – angeblich – der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, sondern, weil parallel immer häufiger der Genitiv gebraucht wird, wo der Dativ stehen müsste.

Wenn in einer Unterrichtsgruppe die Deutschkenntnisse sich “nur” durch ein bis drei Jahre Deutschunterricht unterscheiden, kann man manches auszugleichen versuchen. Der Unterricht von Sprachlernanfängern und flüssig, aber unkorrekt Deusch Sprechenden sowie mehreren Sprachniveaus zwischen diesen Stufen hat mich aber überfordert. (Daher habe ich eine gewisse Skepsis gegenüber Inklusion, so wünschenswert die Verwirklichung dieses Konzepts aus anderen Gründen ist.)

Da war ich froh, als ich bei Einzelunterricht mir die Lernziele von den SchülerInnen vorgeben lassen konnte. Das kann eine beglückende Erfahrung sein.

Deutsch als Muttersprache

anderes

Meine Erfahrungen mit Lehren und Lernen

4. Februar 2013

Fortsetzung des Aufrufs zu einer Blogparade, die ich wegen Pingback hierher verlegt habe)

In meiner Referendarzeit hatten wir einen Fachleiter, der seine Stunden so hielt: Er trat in die Klasse, fragte “Wo waren wir das letzte Mal?” und von da an sprachen nur noch die Schüler. Jedenfalls war das in seinen Vorführstunden für Referendare so. Dieser Idealform des Mottos unserer Ausbilder “Mehr strukturieren, weniger eingreifen!” entsprach mein Unterricht nur im absoluten Ausnahmefall.

Im Normalfall machte die Strukturierung immer wieder ein Eingreifen erforderlich. Ohne moderierendes Eingreifen verflachte das Gespräch. Heutige Talkshows erinnern mich immer wieder an den Alptraum solcher Stunden. Die Lösung des Problems schien Gruppenarbeit zu sein. Durch Materialvorgabe und klare Aufgabenstellung sollte die Strukturierung sichergestellt sein, das Eingreifen überflüssig. Das klappte mehr oder minder gut. Die Schwachstelle kam freilich bei dem Bericht der arbeitsteiligen Gruppen über ihre Ergebnisse. Jede Gruppe war darauf fixiert, in den Augen des Lehrers gut dazustehen, die Mitschüler waren unwichtig. Dementsprechend ließ die Motivation des Plenums rapide.

Ganz andere Erfahrungen machte ich, wenn ich in der Oberstufe die Gestaltung der Stunden vollständig den Schülern übertrug. Hier gelang des öfteren Teamteaching recht vorbildlich. Doch das hing immer wieder vom Zusammenspiel der Lehrgruppe mit der Gesamtgruppe zusammen. Ein  “Lerne freiwillig und mit Begeisterung, was die Schule von dir zu lernen verlangt” war mit dieser Methode jedenfalls ebenfalls nur im Ausnahmefall zu erreichen.

Eigenverantwortliches Arbeiten anzuleiten gelang  mir dagegen mit der von Heinz Klippert gelernten Methode des Gruppenpuzzles besser. (Dabei bereiten “Stammgruppen” ein Thema vor und setzen sich dann in “Expertengruppen”  zusammen,  in denen die Experten sich gegenseitig über das zuvor Erarbeitete berichten. Dabei gibt es methodische Varianten, die sich danach unterscheiden, welche Rolle der Arbeit mit der Gesamtgruppe zugemessen wird.)

Jeder Pädagoge vermisst in meinem Bericht bis jetzt den Projektunterricht.

Meine Erfahrung: Je größer das Projekt ist, desto mehr kommt es auf die Anpassung an die Gruppe und ihre Lernsituation an. Grundsätzlich ist es dabei leichter als bei Kursunterricht möglich, intrinsische Motivation zu wecken, aber im Rahmen eines stundenplangetakteten Unterrichts sind kann nicht gleichfalls in allen Fächern an größeren Projekten gearbeitet werden.

Was hat sich aus meiner Sicht bewährt?

Theaterstücke, Planspiele, die Erstellung von Büchern, Blogs, Wikiartikeln. Konkrete Projekte, die mir gefallen haben, sind z.B. im Deutschunterricht Klasse 5 – 7 Krabat, in der Oberstufe Romantische Schule. Gegenwärtig werbe ich für die Erstellung von “Miniwikipedias” für das behandelte Fachgebiet mit Stichworterklärungen auf Schülerniveau. Ein Beispiel dafür entsteht gerade im ZUM-Wiki (zu finden unter Historische Stichworte). Theoretisch ließen sich so in großem Stil copyrightfreie Unterrichtsmaterialien (OER) durch Schüler erstellen. Im ZUM-Wiki finden sich dafür viele Ansätze. Weshalb bisher mit dieser Methode  keine kompletten Lehrwerke entstehen, wäre zu diskutieren. Offenkundig ist es nicht einfach, sie zu erstellen, es ist aber vielleicht auch nicht sinnvoll. Zu von Lehrern erstellten offenen Bildungsinhalten verweise ich auf die laufenden Diskussionen.

Jetzt aber zu meinen Erfahrungen mit eigenem Lernen und Einzelunterricht…

Das Quadriga Funkkolleg habe ich in bester Erinnerung. Die Studienbriefe ließen sich wie Zeitung lesen, die Hausarbeiten wie Kreuzworträtsel lösen, beim Klausurenschreiben sah man, wer sonst dem Hobby frönte, und bei alledem wurde man über neuere Tendenzen auf Gebieten, die einen interessierten, durch informierte Überblicke auf dem Laufenden gehalten.

Das Internet bietet zwar auch manches. Aber beim Vergleich der Mathematik- und Linguistikvorlesungen (diese nur als Beispiel) im Netz schneiden die damaligen Begleitbriefe eindeutig besser ab. (Die Sendungen und Begleitbücher waren demgegenüber zweite Wahl.) Ich kann mir mathematische und linguistische Gedankengänge schriftlich besser nachvollziehen als über das Hören.

So verdienstvoll das Funkkolleg Medien, das ich gegenwärtig mitverfolge, ist, es ist nur zum Hören, und die schriftlichen Texte sind zu unübersichtlich. (Dazu, dass MOOCs auch Vorteile haben, weiter unten.)

  • Lehrerfortbildung: die war sehr unterschiedlich. Am meisten störte viele Kollegen, wenn Vorwissen erkundet wurde und dabei der Eindruck entstand, dass die Kursleiter weniger davon verstanden als man selbst. Das ging mir nicht oft so.

Fachinformationen waren meist willkommen. Außer der Gelegenheit, Kollegen von der Universität wieder zu treffen, schätzte ich besonders den Kurs “Literatur 1992″, denn auf aktuellem Stand war meine Literaturkenntnis nur bei meinen Lieblingsschriftstellern. Thomas Bernhard und Ransmayr gehörten nicht dazu.

Die Erarbeitung von Unterrichtsprojekten habe ich als zweischneidig erlebt. Die auf ein Projekt ausgerichtete Arbeit des Lehrgangs war zunächst motivierend. Wenn man danach – wie meistens – feststellte, dass das Erarbeitete selbst mit großer Anpassungsanstrengung nicht für den eigenen Unterricht taugte, stellte sich trotz der wiederholten Erfahrung immer wieder eine kleine Enttäuschung ein. Doch es gab auch – sehr seltene – Ausnahmen.

Die Einführung in unvertraute Methoden erwies sich dagegen fast durchweg hilfreich. Ich nenne hier nur als Beispiel die Kurse von Heinz Klippert und Karl Johé.

  • Privatprojekte:

Wikis: ein umfangreiches Thema. Vom passiven Gebrauch (Links, die ich auf meine Homepageseiten einband) kam ich bald dazu, Artikel zu schreiben. Daher fühle ich mich weiter als Wikipedianer und arbeite weiter als Administrator des ZUM-Wikis (Fontane44, dort Beispiele meiner Arbeit), auch wenn die Möglichkeiten der Mitarbeit in der Wikipedia für mich abnehmen. Faszinierend ist dabei, dass man Projekte aufgreifen kann, die als einzelner anzugehen man sich nicht trauen würde (und Projektarbeit ist , wie gesagt, lehrreich). Und wenn man Jahre darauf auf die Zugriffszahlen schaut, freut’s einen auch.

Projekte

Blogs

MOOCs u.ä.

  • Einzelunterricht:

Deutsch als Fremdsprache

Deutsch als Muttersprache

anderes

Beiträge zur Blogparade (mehr oder minder genau zum Thema Erfahrungen mit Lernen)

Des Lehrers zweites Kind

teacheridoo: Kooperative Lernformen – kann es überhaupt funktionieren? (Den Beitrag kommentiert man am besten bei teacheridoo. Die Kommentare findet jeder über den Link zum Artikel)

Von mir gesammelte Beiträge:

KH Pape: Über Zeit, Motivation, Verständnis – alles eine Frage der Erfahrung?

Lisa Rosa: Wichtig ist nur die Erstellung eines persönlichen Lernnetzes (Nach der Erstellung sind Lehrer Lehrer alten Typs überflüssig. Mehr dazu im Dialog von apanat und Lisa Rosa.)

Nach Downes haben Lehrende aber auch nach dem Konzept des Personal Learning Environment noch vielfältige Aufgaben. Diethild bittet im Rahmen von MOOC13 darum, genauer anzugeben, was wohl diese Aufgaben sind.

C. Spannagel: Erfahrungsbericht eines konnektivistischen Lerners über seine Mitwirkung am MOOCMakerCourse13 oder wie auch überzeugte Konnektivisten nicht jede Gelegenheit nutzen.

teacheridoo: Erfahrungen mit kooperativem Lernen (8.2.13)

Literatenmelu: Schule als “Beziehungsverhinderungsantalt” oder “Schule im Aufbruch” (10.02.2013) Zwar handelt es sich hier wieder einmal nicht um einen Erfahrungsbericht, sondern trotz der Filterung durch Literatenmelu um ein weitgehend unkritisches Lob von Montessori- und Freinet-Pädagogik sowie die Vorstellung eines Unterrichtsversuchs (mit Unterricht, der ausdrücklich auf die Übernahme von Verantwortung mit Lernen an Herausforderungen abstellt) und dem Lob von “Spaß” als Motivationsgrundlage. Dennoch ist es ein wichtiger (nicht rein theoretischer) Beitrag zur Frage, wie man lehren sollte, damit selbst organisiertes Lernen gelingt.

Linguistic Engineering Team: Erprobung von “inverted classroom” mit Grundschülern (8.2.13)  (engl. Original) [zwar wieder unkritisches Selbstlob, aber hier interessanter als eine Hurratheorie es wäre]

C. Spannagel: Flipped Classroom nur ein Übergangsmodell? (15.12.12) bietet die kritische Reflexion zu inverted classroom  (sehr stark “inputorientiert”) und systematischer Präsentation von Mathematik für Lehrer (von mir erst über den Beitrag “”inverted classroom” mit Grundschülern” entdeckt)

Daniel Bernsen: verallgemeinernder Kommentar zu C.Spannagel (überhaupt möchte ich die Diskussion zu Spannagels Beitrag als Beispiel für gemeinsame kritische Betrachtung von Erfahrungen werten)

(wird ausgebaut/fortgesetzt)

Empfehlung von Jorgen Randers

13. Januar 2013

In seinem Buch “2052” erklärt Jorgen Randers, warum man sich eine Vorliebe für virtuelle Kommunikation antrainieren sollte, und fragt: “Wenn ihrer Mutter dreidimensional und geruchsecht elektronisch in den Raum projiziert wird, wie oft werden Sie sie dann noch tatsächlich besuchen fahren?” (S.382).
Was er dabei nicht ausspricht, was man an aber mitbedenken sollte: Wie oft werden Ihre Kinder Sie noch besuchen, wenn es so viel leichter ist, virtuell mit Ihnen zu kommunizieren?
Sollte man sich nicht früh daran gewöhnen, dass man vieles nicht mehr leisten kann, was früher möglich war?
Jean-Pol Martin nennt es mit Sloterdijk die Theorie des “Krüppel-Artisten” (zum Nachlesen).

Auswirkungen von Sandy

30. Oktober 2012

Bericht von ZEIT online:

“Das Ausmaß der Zerstörung an der Küste von New Jersey gehört zum Schlimmsten, was wir jemals gesehen haben”, sagte Gouverneur Chris Christie.

Der Republikaner lobte US-Präsident Barack Obama für seinen bisherigen Kriseneinsatz: “Der Präsident war großartig, ich habe gestern drei Mal mit ihm telefoniert, zuletzt hat er mich um Mitternacht angerufen und gefragt, was wir brauchen”, sagte der Parteifreund von Obamas Herausforderer Mitt Romney.

In New York richtete der Sturm mit einer 1.000 Kilometer breiten Front die schwersten Schäden an. Im Stadtteil Queens brannten etwa 50 Häuser teilweise bis auf die Fundamente nieder.

150 Rechenzentren lahmgelegt.

New Yorks Bürgermeister Bloomberg sagt: “Die Leute verstehen einfach nicht, wie stark die Natur ist.”

Bericht von Spiegel online, 30.10.:

An Manhattans West 57th Street baumelt ein beschädigter, tonnenschwerer Wolkenkratzer-Kran rund 300 Meter über der Straße. Die sonst vielbefahrene Avenue of the Americas ist mit Gittern abgesperrt. “Aber ich will doch in meine Wohnung!”, fleht ein älterer Mann. Der Polizist bleibt hart: “No way.”

Über das Kommentieren von Blogartikeln

28. Oktober 2012

Ich möchte auf einen interessanten Blogbeitrag über das Kommentieren in wissenschaftlichen Blogs mit einer fast noch interessanteren Diskussion hinweisen.
Ich hoffe, in den nächsten Tagen meinerseits noch etwas dazu schreiben zu können.

Zunächst verlinke ich nur einen älteren Blogartikel von mir.

Deutsche Bank jährlich mit Milliarden subventioniert

8. Oktober 2012

Als eine von 29 vom Financial Stability Board als systemrelevant identifizierten Banken hat die Deutsche Bank laut Schätzungen des IWF einen ca. 0.8 Prozentpunkte niedrigeren Zins am Kapitalmarkt zu zahlen, das bedeutet einen jährlichen Zinsvorteil von 1 bis 2 Milliarden, so P. Dausend und M. Schieritz in der ZEIT vom 20.9.2012, S.19


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