Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

Perfide Frage

8. Februar 2016

Es soll ja keine dummen Fragen geben. Darüber kann man streiten.*
Es gibt aber zynische Fragen. Dazu gehört die Frage: „Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen, ja oder nein?“ Dieser Frage sieht man freilich deutlich an, dass sie konstruiert ist. Eine gegenwärtig von Meinungsforschern gestellte Frage kommt nach den öffentlichen Diskussionen der letzten Wochen daher, als ob sie sinnvoll gestellt werden könnte:

„Hat die Regierung die Flüchtlingskrise noch im Griff?“
Man kann darauf nur mit „Nein“ antworten. Denn die Frage ist praktisch gleichbedeutend mit: „Ist die bundesdeutsche Regierung allmächtig?“
Das Perfide an der Frage ist, dass sie von Meinungsforschern gestellt wird. Denn wenn man ehrlich mit „Nein“ antwortet , kann man sicher sein, dass es interpretiert wird als: „Man soll wieder wie in den vergangenen Jahrzehnten Flüchtlinge möglichst unbemerkt sterben lassen und sich nicht darum kümmern.“

Unsere Presse ist keine „Lügenpresse“. Dass aber eine solche perfide Frage von Meinungsforschern als gerechtfertigt erscheinen kann, ist die Folge eines Versagens der öffentlichen Meinungsmacher als Gesamtheit.
(Selbstverständlich auch ein Beweis dafür, dass Diskussionen im Internet nicht verhindern können, dass falsche Fragen und falsche Antworten aufkommen. – Aber wer hätte je eines Beweises dafür bedurft?)

Übrigens: Wieso hat eine Meinungsumfrage zu dem Ergebnis geführt, dass „die Deutschen“ mehrheitlich Angst haben, ihre Meinung zu sagen? (Und was sollte man aus diesem Ergebnis folgern?)

*Man unterscheide z.B. die Fragen: „Was bedeutet Würde des Menschen?“ von
„Was soll denn eigentlich Menschenwürde heißen? Im Internet habe ich dazu nichts gefunden.“

Zeitgenössische Philosophen über Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“

20. Dezember 2015

Was bleibt von Immanuel Kant? (ZEIT 3.12.15, online seit 17.12.15)
„Philosophinnen und Philosophen aus aller Welt erklären, was der deutsche Denker uns heute bedeutet.
Ein Gastbeitrag von Achille Mbembe, Pankaj Mishra, Donatella Di Cesare, Raymond Geuss, Mohamed Turki, Kenichi Mishima, Ágnes Heller, Bruno Latour, Vladimir Kantor, Wang Hui und Robert B. Brandom“

Achille Mbembe: Er ist viele (Der kamerunische Philosoph  Mbembe lehrt an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg)

Es gibt zwei Kants, die wir in der Gegenwart dringend brauchen. Da ist erstens der Kant, der den Menschen als Wesen mit einer souveränen Vernunft erkennt, auf der das moralische Urteil beruht. Auf diesen Kant sind wir angewiesen, weil die Leidenschaften und Affekte gegenwärtig überhandnehmen wollen und weil in den Krisen der globalisierten Welt zumeist unbegründete Ängste als Alibi für Gewaltexzesse dienen. Aber ebenso sehr brauchen wir den Kant des Ewigen Friedens, weil er der Menschheit als Weltgesellschaft einen Horizont öffnet, auf den wir gemeinsam zugehen müssen, wenn wir nicht in der planetarischen Katastrophe, in Krieg und Terror enden wollen.

Die Idee des ewigen Friedens bedeutet, dass wir uns als Gattung anstrengen können, die Erde unter all ihren Bewohnern, die ihre gemeinsamen Eigentümer sind, gerecht zu teilen. Aus afrikanischer Perspektive heißt ewiger Friede universelles Gemeingut. Dieser Kant ist zwar Europäer, aber darauf kommt es nicht an, er könnte ebenso Afrikaner, Chinese oder Inder sein, denn in allen Kulturen wird sein Gedanke der Weltgesellschaft als Eigentümergemeinschaft in Variationen gedacht. […]

Banksy

9. Mai 2014

Wie der Wunderrabbi von Michelstadt wirkt auch Banksy wie aus der Zeit gefallen.

Ein Künstler, dessen Werke in der Preisklasse von 1 Million € pro Stück rangieren, der unbekannt bleiben will und sie illegal an irgendwelche Wände sprüht.

Und das in einer Zeit, wo die Veranstaltungen aus dem Boden sprießen, wo Leute, um bekannt zu werden, die hässlichsten Demütigungen auf sich nehmen.

Er  installierte 2006 die Skulptur eines Guantanamo-Häftlings im Disneyland Resort.[17] (sieh: Banksy)

Er imponiert mir und trotz der Preise, die seine Werke jetzt bringen, scheint er mir noch nicht bekannt genug.

vgl. auch „Mobile Lovers“: Banksy-Kunstwerk rettet klammen Jugendclub (SPON, 8.5.14)

Würde und Ehre

11. November 2013

Mit der Formulierung „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes festgehalten, dass jeder, der seinen Mitmenschen nachsagt, sie seien auf Grund irgendeiner Eigenschaft nicht als Menschen anzuerkennen und man dürfe sie deshalb – wie im Holocaust – beliebig quälen und töten, sich aus unserer Kultur hinaus begibt.

Wir wissen, dass diese Auffassung historisch gewachsen ist und dass es eine ganze Reihe von Konzepten gegeben hat (z.B. Kasten und Stände), wonach in Gesellschaften die Auffassung vertreten wurde, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft unterschiedliche Grade von Würde hätten. Seit den bürgerlichen Revolutionen ist diese Auffassung aber überall auf der Welt zurückgedrängt worden, so dass selbst die indischen Kasten staatlicherseits nicht anerkannt werden und „Unberührbare“ höchste Staatsämter übernehmen können.

Während in unserer Kultur die Würde jedem Menschen aufgrund seiner Existenz zukommt und ihm nicht genommen werden darf, auch wenn er schwerste Verbrechen begangen hat, ist Ehre etwas, was ein Mensch durch sein Verhalten verlieren kann.

Wenn eine Gruppe von Menschen sich darin einig geworden ist, dass ein gesellschaftlicher Zustand unbedingt geändert werden müsse (wie z.B. die Widerstandskämpfer in der NS-Zeit oder die Revolutionäre um Georg Büchner, die den „Hessischen Landboten“ verteilten), dann geht es gegen ihre Selbstachtung, den Gegnern ihrer Gruppe ihre „Mitverschwörer“ zu verraten, selbst wenn sie gefoltert werden.

Eine Frau aus dem Kreis der Widerstandskämpfer hat Namen von Mitgliedern ihrer Gruppe preisgegeben und fand ihre innere Ruhe erst wieder, als sie dann trotzdem vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Vorher war ihr das Gefühl, dass ihre Mitkämpfer sie verachten müssten, unerträglich.

Dies Verständnis von Selbstachtung machte es auch dem Mitgliedern der Rote Armee Fraktion so schwer, aus der Gruppe auszusteigen.

Etwas anderes liegt vor, wenn jemand seine Überzeugung wechselt. Dann geht es nicht gegen seine Ehre, seine Mitkämpfer von früher zu bekämpfen.

Das Konzept der Ehre hatte früher freilich auch in Europa anderen Charakter. Da war es aus Sicht der Gesellschaft tatsächlich möglich, dass eine Frau, die vergewaltigt wurde, damit „entehrt“ war. (Dass eine Vergewaltigung zum Verlust der Selbstachtung führt, gilt uns heute dagegen als ein Trauma, das es zu überwinden gelte.) In dieses ältere Konzept von Ehre gehören Ehrenmorde und Blutrache.

Zur Frage der verschiedenen Ehrbegriffe für verschiedene Stände und Aufklärungsstufen ein Zitat aus Gustav FreytagsDie verlorene Handschrift„:

»Jedes Duell ist Unsinn und Unrecht. Wenn der Erbprinz von dieser Ansicht durchdrungen ist und die Folgen derselben für sein Leben und dereinst für seine Regierung auf sich nehmen will, so werde ich der letzte sein, der gegen dies Martyrium etwas einwendet. Steht aber Ihr junger Herr nicht so sicher und frei über den Vorurteilen seines Kreises und ist auch ihm die stille Ansicht eingepflanzt, daß es für Kavaliere und Militärs eine bestimmte Ehre gibt, welche noch etwas anderes bedeutet als die Ehre eines Ehrenmannes, und welche in gewissen Fällen ein Duell nötig macht, sollte Ihr Prinz nach solchen Anschauungen urteilen und dereinst regieren wollen, so will ich Ihnen allerdings bekennen, daß ich ihm das Recht nicht zugestehe, den Ehrbegriffen unserer akademischen Jugend entgegenzutreten.«

(Freytag: Die verlorene Handschrift, Unter den Studenten)

Toleranz zu üben kann verdammt schwer sein

17. September 2013
Roma aus Rumänien und Bulgarien sind EU-Bürger. Mit ihnen kann man nicht so verfahren wie mit Flüchtlingen, die man nicht in die Festung Europa lässt oder, wenn das nicht geklappt hat abschiebt.
Allerdings braucht man ihnen keine Arbeit zu geben, doch sie können sich selbständig machen. (Mehr dazu weiter unten.)
Roma sind innerhalb ihrer Familienverbände soldarisch.
Dazu berichtet Ruhrbarone aus Dortmund:

Wie schon erwähnt, findet eine Romafamilie eine Wohnung, wird diese zu einer Anlaufstation für Freunde und Verwandtschaft. Diese haben aber keine Schlüssel. Um ins Haus zu gelangen wird dann geschellt. Häufig
überall. Bei mir im Haus ist eine Klingel mit Gegensprechanlage installiert. Bei dieser kann ich weder die Klingel abstellen noch den Klingelton in der Lautstärke regulieren. Das Klingelkonzert zu den unterschiedlich Tag und auch Nachtzeiten kann ganz schön an den Nerven zerren.
Ich suchte also das Gespräch. Die von meinen Roma- Nachbarn entwickelte Lösung war pragmatisch sorgte aber für neuen Ärger.

Das Türschloss der Haustür wurde ausgebaut. Fortan war unser Haustür immer offen. Die Hausverwaltung war entsetzt, meine sonstigen Nachbarn auch.

Aus Duisburg hörte ich in einem mündlichen Bericht: In einem Haus für 300 Personen wohnen 1600. Natürlich sind die meisten von ihnen, wenn irgend das Wetter es zulässt, auf der Straße. Wenn sie ins Haus wollen, sieh oben …
Wo 1600 Menschen wohnen, fällt ca. 5x so viel Müll an wie dort, wo 300 wohnen. Die Hausverwaltung erhöht also die Zahlungen für die Nebenkosten. In besagtem Haus waren allein die Nebenkosten für Müllabfuhr genauso hoch wie die Miete.
Wer sich selbständig machen will, braucht eine Geschäftsidee. Eine ist z.B. Recycling von Altmetall.
Dazu wieder Ruhrbarone aus Dortmund:

Da meine Nachbarn ihren Lebensunterhalt durch Schrott verdienten den sie einsammelten ergab sich bald ein Problem mit der Lagerung dieses Schrottes. Wohin damit? Sie verwendeten dazu unsere Kellerräume wo sie jeden freien Raum regelrecht verfüllten. Bald waren auch mein Keller und der Fahrradkeller unerreichbar, weil komplett zugestellt. Wenn nichts mehr reinging, kam es regelmäßig zu einer großen Verladeaktion. Abends versammelten sich dann mehrere Kleinlaster vor unsere Haustür. Diese wurden bis unters Dach beladen und fuhren den Schrott ab. Wohin habe ich nie erfahren.
Dieser Vorgang wiederholte sich alle 3-4 Wochen. Immer unter dem lautstarken Protest der Nachbarn. Die ersten Male wurde die Polizei gerufen, aber da es sich nicht um Diebesgut handelte und die Aktion auch ohne Lärm ablief ergaben sich irgendwann auch die hartnäckigsten Beschwerer ihrem Schicksal. Dieser Wechsel von Schrottflut und Schrottebbe hat auch mich gestört. Allerdings war Schrott zu sammeln die einzige Einnahmequelle meiner Nachbarn. Da ich die Armut kannte in der sie lebten blieb mir jede Kritik und Groll im Halse stecken. Mittlerweile ist aber auch dieser legale Einnahmeweg verschlossen. Gewerblich Schrott zu sammeln ist in NRW gesetzlich praktisch unmöglich geworden.

Wie die Geschichte in Dortmund weiterging, kann man bei Ruhrbarone nachlesen.

Was sich in Duisburg abgespielt hat, wird hier nicht völlig klar. Meine Solidarität gilt Roma und Polizei, betroffenen Anwohnern und den Menschen, die Roma schützen wollen.

Nur, wie wird man allen gerecht?

Wieder zitiere ich Ruhrbarone:

Toleranz zu üben kann verdammt schwer sein. Ratlos bin ich immer noch.

Meldung der WAZ vom 16.9.13 17:05

Empfehlung von Jorgen Randers

13. Januar 2013

In seinem Buch „2052“ erklärt Jorgen Randers, warum man sich eine Vorliebe für virtuelle Kommunikation antrainieren sollte, und fragt: „Wenn ihrer Mutter dreidimensional und geruchsecht elektronisch in den Raum projiziert wird, wie oft werden Sie sie dann noch tatsächlich besuchen fahren?“ (S.382).
Was er dabei nicht ausspricht, was man an aber mitbedenken sollte: Wie oft werden Ihre Kinder Sie noch besuchen, wenn es so viel leichter ist, virtuell mit Ihnen zu kommunizieren?
Sollte man sich nicht früh daran gewöhnen, dass man vieles nicht mehr leisten kann, was früher möglich war?
Jean-Pol Martin nennt es mit Sloterdijk die Theorie des „Krüppel-Artisten“ (zum Nachlesen).

Paul Nolte: Generation Reform

14. Mai 2012

Noltes „Generation Reform“ von 2004 verbindet eine konservative Vorstellung von Reform (Privatisierung der Risiken, Abschied von der Solidargemeinschaft) mit dem deutlichen Hinweis darauf, dass es weiterhin eine Klassengesellschaft gibt und zwar eine, in der die Unterschicht sich mitnichten an der Kultur der Mittelschicht (Fähigkeit zum Aufschub von Belohnungen, Frustrationstoleranz) orientiert, sondern an Hedonismus und oberflächlicher Unterhaltung.
Anders als Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“  hätte Noltes Analyse eine eingehende kritische Diskussion verdient gehabt.

99 Prozent

29. Oktober 2011

Von der Sache mir nicht neu, bemerkenswert scheint mir aber die Mobilisierung, die Occupy Wall Street erzeugt.

Leute, die besser formulieren können als ich, bisher aber viel zu lange die Zerstörung von Lebensgrundlagen hingenommen haben, ohne sich ernsthaft zu melden, fangen an sich zu regen.

So Ulrich Beck in der taz:

 Die Menschen machen unter dem Diktat der Not eine Art Blitzkurs über die Widersprüche des Finanzkapitalismus in der Weltrisikogesellschaft durch. Die Berichterstattung der Massenmedien deckt die radikale Trennung zwischen denjenigen auf, die die Risiken erzeugen und von ihnen profitieren, und denjenigen, die die Folgen ausbaden müssen.

Leider – muss ich hinzusetzen – deckt sie die erst sehr neuerdings auf.

Wieder Beck: „Politiker, wie in Deutschland Angela Merkel und Peer Steinbrück, die vor kurzer Zeit noch den ungeregelten Kapitalismus hochleben ließen, vollziehen bei Nacht und Nebel einen Meinungs- und Fahnenwechsel zu einer Art Staatssozialismus für Reiche.“ (gut gesagt!)
Dazu Dierk Hirschel in der Frankfurter Rundschau vom 29.10.11: „In der Finanzmarktkrise warf die EZB für die Banken die Notenpresse an. Ackermann, Blessing & Co. hinterlegten ihre nahezu wertlosen Vermögenswerte als Sicherheiten im Eurotower. Im Gegenzug gab es frische Kredite zum günstigen Leitzins. Die Banken griffen kräftig zu. Die Mülldeponie der Geldhäuser ist inzwischen fast viermal so groß wie der angebliche Friedhof der Staatsanleihen.“
Doch für die Rettung von Staaten vor dem Bankrott traut man sich nicht, die Zentralbanken einzusetzen. Von Seiten der Finanzwirtschaft ist das gewollt.
Wieder Dierk Hirschel: „Die Zukunft der Staatsfinanzierung ist eine Machtfrage geworden. Solange der Staat sich nur auf privaten Kapitalmärkten finanziert, können die Märkte die Politik vor sich hertreiben.“

Die Alternative zeigt Ulrich Beck auf (vgl.o.): „Im Bündnis zwischen globalen Protestbewegungen und nationalstaatlicher Politik könnte jetzt langfristig durchgesetzt werden, dass nicht die Wirtschaft die Demokratie, sondern die Demokratie die Wirtschaft dominiert.“
Natürlich ist das nur eine Möglichkeit. Eine Katastrophe ist wahrscheinlicher, denn:
wiederum Beck: „Der überzeugendste und ausdauerndste Gegner der globalen Finanzwirtschaft – ist die globale Finanzwirtschaft selbst.“
Und wenn die sich zerschlägt, statt ihre Überführung in ein vernunftgeleitetes System zuzulassen, dann wird es schwierig für uns 7 Milliarden, und die Ökologie erhält eine Erholungspause, die unsere Enkel vielleicht besser nutzen werden als die heute lebenden Entscheider.
Ehrlich gesagt: Meine Solidarität liegt eher bei den heutigen 7 Milliarden als bei unserer Enkelgeneration.

Kann Web 2.0 Lehrer überflüssig machen?

18. Oktober 2011

Die Lernspielwiese meint: nein. Sie begründet:

Vielmehr werden wir Mentoren, Facilitators, Lernbegleiter oder wie wir diese Menschen dann auch immer benennen mögen in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach noch um ein vielfaches mehr vonnöten haben. Die Perspektive dieser wird jedoch nicht (mehr primär) diejenige (zumindest nicht in dieser ausschließlichen Art und Weise) auf die Inhalte sein. Ihre Aufgabe wird sein, die jeweilige Lernerin, ihren Entwicklungsstand, ihr Potential, ihr Ziel in den Blick zu nehmen, und ihr über die eine oder andere Hürde hinwegzuhelfen, sie auf das eine oder andere geradezu draufzustoßen. Und Lehrende, die genau darin gut sind – so wünsche ich mir – (und davon gibt es jetzt schon einige), sollten in Zukunft mehr Wertschätzung erhalten.

Dazu kann man mit Brecht sagen:

„Kostbarkeiten zu verzollen?“ – „Keine.“
Und der Knabe, der den Ochsen führte, sprach: „Er hat gelehrt.“
Und so war auch das erklärt.

Doch das wäre zynisch. Die Medienkompetenz, die angeblich das einzige ist, was es noch zu lehren gibt, setzt ja alle früheren Kompetenzen des Wissenserwerbs und der Wissenspräsentation voraus.

Und wenn wir uns nicht ganz in Netzbeliebigkeit auflösen wollen, brauchen wir Lehrer und eine Gemeinschaft. Dass Lehrer in der Gemeinschaft sind, ist dabei nicht ausgeschlossen. Aber es braucht auch Vorbilder für die Starken. Martin Luther King hatte seine, Gandhi hatte seine.

Es gibt für uns noch so viel zu lernen, wenn wir verhindern wollen, dass wir an unseren Trillionen Geldeinheiten und Trillionen Energieeinheiten zugrunde gehen, weil die 99% es nicht schaffen die Vertreter des 1% zu zügeln.

An sich war dafür ja die Demokratie gedacht, …

„Die Occupy-Proteste docken nicht mehr an die nationale Politik an, weil man sich von dieser nicht mehr viel erwartet und weil man erlebt, wie ohnmächtig, orientierungslos und getrieben nationale Parlamente in der Finanzkrise agieren. Der internationale Protest fordert eine internationale Politik.“ So schreibt die Süddeutsche Zeitung dazu.

Tatsächlich könnte weltweite Zusammenarbeit auf Graswurzelniveau sich als effektiver als 25 internationale Konferenzen erweisen. Der Beweis steht freilich noch aus.

10 Millionen sind noch nicht 99%

13. Oktober 2011

avaaz, die größte Organisation für internationale Internetaktionen, hat jetzt über 10 Millionen Mitglieder.

Von den 99% der Weltbevölkerung, die unter den Finanzmachenschaften der letzten Jahre gelitten haben, ist es zwar nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz, aber die Wachstumsrate liegt immerhin höher selbst als die 25%, die Ackermann als Kapitalrendite verordnet hat.

Fluter nimmt das zum Anlass für einen genaueren Blick auf avaaz. Wer den Guardian vorzieht, mag dort nachlesen.

Zu den Demonstrationen

Wer einen Appell an die Bundeskanzlerin richten will, hat hier die Gelegenheit.